P70

Nützt ja nischt!

Ostrock-Lexikon O-Z

Pankow

Ab 1977 arbeitete die ehemalige Begleitband von Veronika Fischer als Gruppe 4 PS weiter. Nach dem Weggang von Franz Bartzsch bemerkten die verbliebenen Mitglieder Hille, Kirchmann, Reznicek und Ehle, daß ihnen ein solistischer Frontmann gut zu Gesicht stünde. Mit Zugang von Andre Herzberg (voc, ex-Gaukler) nannte man sich ab 1981 Pankow und schrieb ein großes Stück DDR-Rockgeschichte mit. 1982 kam es zur Uraufführung des Rockspektakels „Paule Panke“,dessen Text von Herzbergs Bruder Frauke Klauke stammte und der mit der Gaukler Rockband nicht umzusetzen war. Als Tonträger erschien das Stück erst 1990, da die Amiga-Höheren Einwände gegen die Darstellung des „sozialistischen Alltages“ hatten. 1983 erschien die erste LP der Band, die älteres Material enthielt. 1985 ging Hille in den Westen, für ihn kam Stefan Dohanetz. Nach der Veröffentlichung einer weiteren Konzept-LP „Hans im Gück“, sowie der LP „Keine Stars“ verließ Reznicek die Band, um sich Silly anzuschließen. Sein Nachfolger wurde der ehemalige Rockhaus-Bassist Ingo Griese. Mit ihm entstand eine der aufregendsten DDR-Rockplatten „Aufruhr in den Augen“. Das die Texte der LP durch das Lektorat kamen, war auch 1988 eine Sensation, hieß es doch im Titel „Langeweile“: „Das selbe Land zu lange gesehn, die selbe Sprache zu oft gehört, zu lange gewartet, zu lange gehofft, zu lange die alten Männer verehrt“. Pankow war 1989 Mitunterzeichner der Rockerresolution.

Puhdys

Die Geschichte begann 1965 mit der Udo Wedel Combo, einer Amateurgruppe. Wedel steigt im Herbst 1965 aus, für ihn kommt Dieter Hertrampf. Aber ohne Wedel keine Wedel-Combo – ein neuer Name mußte her. So entstanden am 1.10.1965 die: P -eter Meyer, U -do Jacob, H -arry Jeske, D -ieter Hertrampf, das YS wurde angehängt. Nach wechselndender Besetzung fanden sich im Oktober 1969 fünf rockverrückte Herren in Jeskes Oranienburger Haus ein: Meyer, Jeske, Hertampf, Gunter Wosylus vom Teisco-Quartett und Dieter Birr, dem Star-Gitarristen der Evgeni-Kantschev Gruppe. Der erste Auftritt erfolgte dann am 19.November 1969 im Freiberger ”Tivoli”. Auf Grund massiver Fan-Post an das Fernsehen der DDR, traten die Puhdys 1970 in der Sendung ”Notenbank” auf. Voraussetzung war jedoch, daß deutsch gesungen wurde – so kam der erste Titel ”Türen öffnen sich zur Stadt” zustande und wurde ein Erfolg. Die Puhdys waren nun bekannt, berühmt aber wurden sie durch einen Film. 1972 komponierte Peter Gotthardt zwei Titel für den Film ”Die Legende von Paul und Paula” und die Puhdys spielten diese ein. ”Geh zu ihr” und ”Wenn ein Mensch lebt” wurden zu Hymnen.
Anfang der 70er lieferten sich die Puhdys wahre Hit-Duelle mit der Gruppe Renft um den Rockerthron. Später landeten sie den einen oder anderen Hit, waren aber live immer ein Erlebnis. 1982 erhielt die Band den ”Nationalpreis II. Klasse”. Sie tourten in vielen Ländern der Erde und waren wichtige Devisenquelle für die DDR-Oberen.

Renft

Die Geschichte der Band beginnt 1962 mit dem Klaus Renft Quintett. Auch hier kam seitens des ”Rat der Stadt” Leipzig das vorzeitige Aus und die Band wurde verboten. Kurze Zeit später gründete Jentzsch die Finders und man nannte sich vor dem ersten Auftritt in Butlers um. 1965, nach dem Leipziger ”Beat-Aufstand”, wurden die Butlers verboten. 1969 entstand eine völlig neue Band um Jentzsch: Renft. 1971 komponierte Cäsar den ersten großen Hit der Band ”Wer die Rose ehrt” (Text: Kurt Demmler). Danach hagelte es ab 1972 Hits, die sich mehrere Wochen in den Hitparaden ablösten: ”Zwischen Liebe und Zorn”, ”Besinnung”, Wandersmann”, ”Apfeltraum”, ”Cäsars Blues” u.a. Aufgrund der textlichen Aussagen und des Bühnenverhaltens der Musiker wurde Renft im Frühjahr 1976 -wiedermal- verboten. Jentzsch, Kuhnert und der Texter Gerulf Pannach gingen nach Westberlin. Schoppe folgte später. Cäsar und Hohl gingen zu Karussell.
Am 09.10.2006 verstarb Klaus Renft. Damit ging einer der wichtigsten Persönlichkeiten des DDR-Rock.

Rockhaus

Ihr Einstieg ins Rockgeschehen der DDR zu Beginn der 80er war New Wave- und Funk orientiert. Die ersten Produktionen waren demnach schon so erfolgreich, daß 1983 sowohl die erste Single und auch die erste LP bei Amiga erschienen. Textlich lag man im Trend des New Wave, jungendgemäß und frech. Mit „Disko in der U-Bahn“ lieferte Rockhaus den ersten Rap-Song der DDR ab. Die zweite LP konnte den Erwartungen nicht ganz entsprechen. Die 1988 erschienene LP „I.L.D.“ zeigte die Band reifer, erwachsener geworden und überzeugte die Fans und die Kritiker. Rockhaus waren damit ganz oben.

Rote Gitarren

Mit vier Gitarren und einem Schlagzeug spielte die 1965 gegründete polnische Band Musik, die an die frühen Beatles erinnerte. 1967, als Krajewski in die Band kam, änderte sich das, man spielte eigene Songs. In den Jahren 1971 – 1976 war die Band auch in der DDR sehr erfolgreich, insbesondere mit dem Hit „Weisses Boot“.

Scirocco

Seine erste Band, „Crazies“, gründete Volker Thiele 1964. Ein Jahr später kam Hendryk Wendt dazu und man nannte sich „ Tornados“. Die von beiden Musikern gegründete Band „Hoermens“ wurde 1969 „auf Lebenszeit“ verboten. Scirocco wurde im Sommer 1970 gegründet. Im Herbst absolvierte die Band erste Auftritte in der Fernsehsendereihe ”Notenbank”. Erste Songs wie ”Sagen meine Tanten”, ”Wege mit guten Namen” und ”Mädchen am Morgen” erschienen 1972 auf der ”Hallo”-Serie. Die Band nahm 1972 an der Aktion ”Rhythmus 72” teil und ihr Titel ”Komm ich warte” erschien auf gleichnamiger LP. 1973 erschien die Single ”Man kann es erkennen”/”Wenn die Klingel tönt”. 1977 kam die letzte Single ”Weiße Taube”/”Irgendwo in der Stadt”.

Silly

Die Band wurde 1978 als Familie Silly gegründet und zählte ab 1983 zu den führenden Rockbands des Landes. Sillys erste LP wurde auf abenteuerlichen Wegen 1981 zuerst in der BRD veröffentlicht, Amiga zog im gleichen Jahr nach. Die um 1980 auch in der DDR registrierte Neue Deutsche Welle, sowie New Wave und New Romantic erweiterten das Spektrum erheblich, so dass sich auch Silly zu diesen neuen Tönen entschloss. 1983 wurde die LP „Mont Klamott“ eingespielt, die damals Meilensteine setzte. Spätestens nach der 85 erschienen zweiten Lp waren Silly der Top-Act des Landes. Mit „Februar“ erschien 1989 die letzte DDR-LP. Die Platte war ein überaus kritisches Werk und stand mit den derzeitigen Veröffentlichungen von Pankow und City in einer Reihe. Silly gehörte zu den Erstunterzeichnern der Rockerresolution und engagierte sich in Person von Tamara Danz sehr intensiv in der Wendezeit. 1993 folgte eine neue Veröffentlichung, die auch den Ausstieg von Fritzsching zur Folge hatte. Am 22.07.1996 erlag Tamara Danz einem Krebsleiden. Mit ihren beiden Best of-Alben gelangte Silly postum noch in die Top 100 der deutschen Charts.

Stern Combo Meißen

Die Stern Combo Meißen, 1963 gegründet, gehört zu den dienstältesten Bands der sächsischen Rockszene. Um 1970 arbeitete die Stern Combo Meißen mit der jungen Sängerin Veronika Fischer zusammen, die sich 1971 Panta Rhei anschloß. Die Art- und Prog-Rock-Ära begann mit dem Einstieg von Thomas Kurzhals (keyb). Mit Klassik-Adaptionen wie „Die Nacht auf dem kahlen Berge“ und „Das alte Schloss“ von Mussorgski oder „Der Frühling“ von Vivaldi sowie eigenen Songs wie „Der Kampf um den Südpol“ erlangte die Band schnell Kultstatus. Nicht nur die Kompositionen und Bearbeitungen von Kurzhals, sondern vor allem die Stimme von Reinhard Fißler verlieh der Band immer mehr eigenes Profil. Ein Konzertmitschnitt 1977 in Nünchritz bei Riesa wurde die Grundlage für die erste LP der Gruppe. Darauf folgten mit „Weißes Gold“ und „Reise zum Mittelpunkt des Menschen“ zwei Konzeptwerke. Mit dem Siegeszug der NDW orientierten sich auch die ehemaligen Kunstrocker um und man wandte sich ab Mitte der 80er hitparadenkompatiblen 3-Minuten-Titeln zu. Die neuen Mitglieder waren Ralph „IC“ Schmidt, der Fißler ablöste und Andreas Bicking (keyb, ex-Obelisk), der für Kurzhals kam, welcher zu Karat wechselte. Die Band löste sich noch vor der Wende auf, spielt aber danach in nahezu alter Besetzung unter dem Namen Stern Combo Meißen und zieht unter anderem gemeinsam mit Electra und Lift als „Sachsendreier“ durch die Lande.

Brigitte Stefan & Meridian

1976 wurde die Gruppe – damals noch als JTO-Meridian – gegründet. Den Künstlernamen Stefan entlieh Brigitte vom 2ten Vornamen ihres Mannes. Ab 1981 wandte sich die Band der Neuen Deutschen Welle zu und produzierte mit dem Titel „Linie 6“ einen Hit und war ab nun erfolgreichster Ostrockvertreter dieses Genres. Viele Songs folgten. „Fensterglas im Winter“ ist eine wundervolle Ballade aus der Feder von Michael Heubach. Bassist Torsten frönt seiner Liebe zu Ostrockklassikern mittlerweile bei P70.

Studioteam

Die Legende von der Leipziger „Talente – such – und – förder“ – Band ist schon oft beschrieben worden. 1966 von Gerd Kolbe gegründet, arbeitete die Band als eine der ersten in der DDR mit Bläsersatz. Hier lernten Uschi Brüning und Regine Dobberschütz ihre ersten Schritte zu namhaften Solisten. 1983 nannte man sich nur noch Studioteam. 1988 wechselte das Studio Team ins Profilager. Umbesetzungen hatten diese Verwandlung eingeleitet: am Bass ab Dezember `87 Torsten Großmann, am Schlagzeug Torsten Wolf. Aktuelle Produktionen am Sender Leipzig verhalfen dieser nimmermüden Band nicht nur im Heimatbezirk zu stetiger Popularität. Auch im Ausland gastierte Studioteam erfolgreich. Bassist Torsten zupft heute bei P70.